Grusswort von Niels Unbehagen
20 Jahre " 12 Monate — 12 Originale"


Wenn es einem Kunstprojekt wie dem Grafikkalender "12 MONATE — 12 ORIGINALE" gelingt, sein erfolgreiches 20-jähriges Bestehen zu feiern, ein seltenes, sehr bemerkenswertes Jubiläum in einer Zeit, die zumal im Bereich der Bildenden Kunst als äußerst wechselhaft und kurzlebig gilt, dann muss es dafür wichtige Gründe geben — und es gibt sie.

Mitte der 80er Jahre fanden sich, inspiriert durch einen 1983 in der Siebdruckwerkstatt der HdK, FB 1 realisierten Grafikkalender, 12 ehemalige Kunststudenten / Meisterschüler zusammen, um nun in eigener Regie den ersten Kalender mit Originalgrafiken zu produzieren: Dagmar Diekmann, Rosemarie Jarmann und Helga Primbnow, gehörten dazu.

Diese jungen Künstlerinnen waren und sind Personen, die Eigenschaften in sich vereinen, die unter anderem mit den Adjektiven: künstlerisch außerordentlich kreativ, kommunikativ, entscheidungsfreudig, offen für Neues, aber auch qualitätsbewusst und beharrlich benannt werden können. Und so begann 1989/1990 das bis heute bestehende Folgeprojekt "12 MONATE — 12 ORIGINALE", dessen individuelles, schlüssiges Konzept Helga Ntephe (bis 1995 Helga Primbnow) in den ersten Jahren noch gemeinsam mit Dagmar Diekmann und einem festen Stamm von befreundeten Künstlern entwickelte. Später wurde Helga Ntephe von der Gruppe beauftragt, die Organisation und Koordination zu leiten. Das Konzept ist nach wie vor offen und passt sich immer wieder Anforderungen an, die ausgelöst durch gesellschaftliche Prozesse auch zu Veränderungen in der Ausdrucks- und Arbeitsweise von Bildenden Künstlern führen.

Die Grundidee lässt sich in etwa so beschreiben:

Es gibt keine thematische Vorgabe. Einziges und maßgebliches Kriterium ist die exzellente künstlerische und drucktechnische Qualität der Blätter. Der Schwerpunkt liegt nach wie vor bei den "traditionellen" Drucktechniken: Holz- und Linolschnitt, Radierung, Lithografie sowie Siebdruck. Allerdings hat sich die Gruppe seit 2001 auch anderen Medien wie Fotografie und digital art geöffnet. "12 MONATE — 12 ORIGINALE" ist somit zu einer äußerst interessanten Sammlung interdisziplinärer, multipler Kunst geworden und hat im Laufe der Jahre ein Profil bekommen, welches sich deutlich von anderen Kalenderprojekten unterscheidet.

Zur Kerngruppe gehören derzeit Helmut Gutbrot, Claudia Hartwig, huber&christen, Helga Ntephe und Peter Schlangenbader. Hinzu kommen jährlich wechselnde, in Berlin arbeitende Gastkünstler Innen aus dem internationalen Raum.

"12 MONATE — 12 ORIGINALE" präsentierte sich in den vergangenen 20 Jahren nicht nur auf zahlreichen nationalen und interationalen Ausstellungen; 2001 — 2004 kam es zu dem Künstleraustausch "feedback — artist by artist" mit dem Printmaking Council of New Jersey, USA.

Die eigene Webseite: www.12monate12originale.de (seit 2005) gibt regelmäßig über die Aktivitäten der beteiligten Künstler, das Erscheinen des neuen Kalenders und demnächst auch über die 65 Künstler Innen der vergangenen 20 Kalenderjahre Auskunft (eine Datenbank und die Digitalisierung des Archives werden im Jubiläumsjahr 2010 abgeschlossen sein). Ergänzend macht die Gruppe mit einem Flyer und nicht zu vergessen "Mund zu Ohr- Infos" auf sich aufmerksam. Dieses in den letzten Jahren entstandene Netzwerk eröffnet den Künstler Innen neue Möglichkeiten der Selbstvermarktung, auch über die gemeinsame jährliche Grafikproduktion hinaus.

Den vielen Sammlern und Institutionen, von denen die Sammlung für multiple Kunst jedes Jahr mit besonderem Interesse erwartet wird, wünsche ich, dass sie auch zukünftig die Möglichkeit bekommen, spannende Kunst — in Berlin entstanden — zu entdecken, ihre Entwicklung zu verfolgen, und natürlich auch weiterhin zu dem äußerst moderaten Preis, angesichts der hohen Qualität anzukaufen. Denn die Sicherung der finanziellen Existenz war vor 20 Jahren ein wesentlicher Aspekt des Konzeptes und daran hat sich bis heute nichts geändert. So wünsche ich abschließend den KünstlerInnen noch viele erfolgreiche Kalenderjahre, damit sie für einige Zeit etwas freier durchatmen können.


Niels Unbehagen
ehem. künstlerische Lehrkraft für Siebdruck und freie Grafik
UDK Berlin, Fakultät Bildende Kunst.